Es mag merkwürdig erscheinen, aber die Lombardei, eine stark industrialisierte Region, hat dem Radtouristen vieles zu bieten, vor allem wenn man über Radsport in der Höhe spricht.
Eines der Paradiese für Biker, die Auf-und-Abs lieben, ist zum Beispiel die Zone von Livigno, 1700 m ü.d.M., ein zollfreies Gebiet unweit der Schweiz, in der Provinz Sondrio. Livigno selbst erstreckt sich in einem weiten Tal, das zwanzig perfekt ebene Kilometer lang ist, welche von Almwirtschaften und Hütten gesprenkelte Wiesen und Weiden durchqueren. Man kann auf der Straße oder entlang befahrbarer paralleler Strecken neben dem Bach Spol unterwegs sein. Liebt man hingegen Steigungen, kann man die höchste Gemeinde Italiens in den Blick nehmen, Tre Palle, das dort auf zweitausend Meter ü.d.M. hockt; oder man wechselt in die Schweiz und erreicht den Bernina-Pass, um die Gletscher des einzigen 4000ers der Zentralalpen zu bewundern.
Aber Livigno ist wahrhaftig magisch für das Mountainbike. Das ganze weite Territorium, das vom Ort zum Alpisella-Pass und Richtung der Adda-Quellen ansteigt, um dann zu den Seen von Cancano mitten im Nationalpark des Stelvio zu führen, ist eine Art Mekka für die Freunde der Erdstraßen, die 100 km Pfade zur Verfügung haben, um täglich Strecken und Panoramen in einem nordischen Ambiente zu wechseln, welches so perfekt konserviert ist, dass man sich an wilde Zonen Kanadas erinnert fühlt. Die Freunde der Straße können ihr Carnet mit den Anstiegen zu den von allen Radsportlern erträumten Pässen bereichern, von den 2.758 m des Stelvio bis zu den 2.502 m des Santa Maria-Passes; die Trainiertesten können die Auffahrten des Giro d´Italia in Angriff nehmen und dank einer Spezialkarte dieses Unternehmen auch bestätigt bekommen. Natürlich gibt es auch die Lombardei der Ebene, des Tessinparks zum Beispiel, die Lombardei der großen Seen, die Lombardei der Ambiente, die sich dem Vorrücken des Fortschritts widersetzen, wie die der Reisfelder. Alles in allem eine Region, die es verdient, vom Fahrradsattel aus entdeckt zu werden.